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Süddeutsche Zeitung Süd (Auswahl BR), Mi 05.11.2008 (Presse-Pool)
Seite R2
Wirtschaft
Mit allen Sinnen empfänglich für Zwischentöne
Wolfgang Vornehm baut und stimmt Klaviere und bildet Handwerksnachwuchs darin aus.
Seefeld - "Gespür für die Zwischentöne ist für einen Klavierbauer unerlässlich", findet Wolfgang Vornehm. Seit 30 Jahren übt er diesen Beruf aus. "Und er fasziniert mich immer noch wie am ersten Tag." Zu den Tätigkeiten eines Klavierbauers gehört das Restaurieren und Renovieren, aber auch das Stimmen von Tasteninstrumenten. Dabei ist nicht nur Sensibilität für ein Klavier und seinen Klang gefragt, sondern auch für Menschen. Vor allem beim Stimmen von Klavieren. Das war lange Zeit Vornehms Arbeitsschwerpunkt.
Als "Funkstimmer" beim Bayerischen Rundfunk war er zehn Jahre lang für die Flügel der beiden Rundfunkorchester zuständig. Darüber hinaus arbeitete Vornehm mit namhaften Pianisten zusammen. "Für Alfred Brendel habe ich in dieser Zeit jedes Konzert gestimmt", erzählt der gebürtige Schwabe, "Brendel erschien immer pünktlich um zehn Uhr morgens zur Probe". Man habe sich zusammengesetzt und sei jeden Ton einzeln durchgegangen. Dann gab der Musiker dem Stimmer seine "Hausaufgaben" auf, und eine Stunde vor Konzertbeginn trafen sich beide noch einmal. "Ich habe die Anspannung vor den Auftritten immer hautnah miterlebt, die hohe Konzentration, das Lampenfieber," schwärmt Vornehm rückblickend. "Das hat mir am Konzertleben so gefallen."
Die enge Arbeit mit Musikern fand Vornehm wunderbar. "Aber irgendwann hat etwas gefehlt." Denn das "Zerlegen und Wiederaufbauen" von Klavieren sei beim BR zu kurz gekommen. "Doch genau daran hängt das Herz eines Klavierbauers." Deshalb gab er im Jahr 2000 das sichere Angestelltenverhältnis auf und eröffnete seinen eigenen Betrieb, zuerst in München-Laim und vor einem Jahr im Hof des Schlosses Seefeld. Klavierstimmen ist jetzt nur noch ein kleiner Teil seiner Arbeit. Er stimmt zwar noch Instrumente von Berufsmusikern und Privatleuten. Vor allem aber renoviert, restauriert und erneuert er nun in seiner 160 Quadratmeter großen Werkstatt Klaviere und Flügel. Dabei ist Vornehm täglich auf der Suche nach dem Charakter eines Instruments, "nach dem ursprünglichen Klang".
Er widmet sich Familienerbstücken ebenso wie neuen Instrumenten. "Alle Sinne sind dabei gefordert, der Routineanteil ist relativ gering." Manche Klaviere erneuert er komplett - den Resonanzboden, die Tasten, den Lack. Oft gebe es aber auch nur Kleinigkeiten zu tun: einzelne Saiten auswechseln oder Filzstücke einsetzen.
Vor vier Jahren kam ein weiterer Arbeitsschwerpunkt hinzu: die Ausbildung. Vornehm ist begeistert von seinen beiden Lehrlingen. "Das sind tolle junge Leute, aufgeweckt, lustig, musikalisch." Die Früchte seiner Arbeit möchte Vornehm weitergeben. Dazu zählt ein ausgeprägtes Klanggefühl. "Heute kann ich vom Hören sagen, um welchen Flügel es sich handelt."Susanne Dietrich

 
Süddeutsche Zeitung, Di 10.01.2006 (Presse-Pool)
Seite 43
Münchner Kultur
Der Stimmungsmacher

Klavierbauer Wolfgang Vornehms Gespür für empfindliche Konzertflügel
Wenn der Pianist übers Podium geht und sich an den Flügel setzt, dann denkt wahrscheinlich kaum jemand im Publikum daran, dass ein Solo-Klavierabend irgendwie Teamwork sein könnte. Ist er aber: Kein Pianist muss sein Arbeitsgerät selbst in spielbaren Zustand bringen und es vor dem Konzert stimmen, intonieren und regulieren. "Wenn Alfred Brendel vormittags seinen Flügel ausprobierte", erzählt der Klavierstimmer und Klavierbauer Wolfgang Vornehm, "dann sagte er spätestens nach zehn Minuten: ,Viel Arbeit, Herr Vornehm', und dann hat er mir die Hausaufgaben für den Nachmittag gegeben." Wobei Brendel bekannt dafür ist, hinsichtlich der Hausaufgaben besonders streng zu sein. "Von ihm habe ich am meisten gelernt", sagt Wolfgang Vornehm, "denn er ist zwar kompromisslos, aber er pflegt keine Allüren. Er hat mir immer genau erklärt und vorgeführt, was er wollte - oft fast so lange, bis das Publikum schon im Saal war."
Das andere Extrem, so Vornehm, sei ein Pianist wie Grigorij Sokolov, der auf jedem Flügel spielen könne: "Sokolov spielt zwei Mal rauf und runter, dann weiß er, wo das Instrument ungleichmäßig ist und stellt sich darauf ein." Wie vielleicht Jewgenij Kissin, für den zwar das Management grundsätzlich vier Flügel zur Auswahl verlangt, von dem aber Vornehm bald wusste, dass er immer nur den "ältesten, ausgespieltesten und schepperigsten" nehmen würde. Aber Vornehm sagt: "Phänomenal, was er daraus macht."
Gegner von Monopolen
Vornehm war zehn Jahre lang beim Bayerischen Rundfunk, bevor er sich vor fünf Jahren selbständig machte. Unter anderem kümmert er sich nun um den Steinway im Prinzregententheater. "Die Konzertgesellschaft München, der das Instrument gehört, hat mich gefragt, ob ich das machen wolle. Ich habe aber erst einmal abgelehnt. Ich bin ein Gegner von derartigen Monopolen und Pfründen, denn wenn mich jemand engagiert, dann soll er das tun, weil er meine Arbeit gut findet und nicht, weil er nicht anders kann." Es habe sich allerdings herausgestellt, dass es dem Instrument schadet, wenn es von unterschiedlichen Leuten gestimmt wird - einfach deshalb, weil dabei jeder anders vorgeht. "Der Flügel wurde extrem instabil, und jetzt betreue ich ihn doch allein", sagt Vornehm. Ähnlich argumentiert das Münchner Steinway-Haus, auf das der Seitenhieb bezüglich der Monopolpolitik gemünzt gewesen sein dürfte. Wenn das Steinway-Haus seine Instrumente verleiht, dann legt es Wert darauf, dass diese von den eigenen Leuten fürs Konzert vorbereitet werden. "Wir versuchen sogar, nur ein und denselben Mitarbeiter den jeweiligen Flügel stimmen zu lassen", so der Geschäftsführer Thomas Kubitschek. "Aber wenn Maurizio Pollini seinen Klavierstimmer mitbringt, geht das auch. Wir machen keine Knebelverträge. Ohnehin unterliegt es dem normalen Wettbewerb, wer in München Aufträge zum Stimmen bekommt."
Ein Wettbewerb freilich, in dem die Kräfte recht unterschiedlich verteilt sind. Vornehms Klavierstimmerkollege Peter Reinhard hat das zu spüren bekommen, als er im Gasteig mit Hausverbot bedroht wurde: "Ich stimme seit zehn Jahren für eine Kundin den Steinway im Kleinen Konzertsaal, wenn sie dort auftritt. Das wurde bisher toleriert, aber jetzt plötzlich nicht mehr, weil sich das Konservatorium - dem der Flügel gehört - quer legt und darauf beharrt, seinen Vertrag mit dem Steinway-Haus zu erfüllen. Ich wollte nachfragen, ob nicht weiterhin eine Ausnahme möglich wäre, aber man redet nicht mal mit mir." Pech für Reinhard, Pech aber auch für seine Kundin, die Pianistin, denn Reinhards Preise liegen deutlich niedriger als die des Steinway-Hauses. Also doch kein richtiger Wettbewerb? Wolfgang Vornehm, der einmal in der gleichen Situation war wie Peter Reinhard, sieht das Problem nicht zuletzt darin, dass in München ein Steinway-Konzertflügel (das große D-Modell) eigentlich nur vom Steinway-Haus geliehen werden kann. Auf andere Marken will man nicht ausweichen: "Steinway ist als Konzertinstrument eben immer noch unschlagbar. Das hat nicht nur klangliche, sondern auch spieltechnische Gründe. Es gibt keine bessere Klaviermechanik. Nur, manchmal würde ich mir eben doch eine größere Bandbreite wünschen." Tatsächlich ist die Konkurrenz - Bösendorfer, Bechstein, Fazioli - selten auf dem Podium zu erleben. Nikolai Demidenko etwa spielt Fazioli, weil er von den neueren Steinway-Flügeln nichts hält.
Vor kurzem hat ein Münchner Konzertveranstalter für seine Pianisten einen Bösendorfer-Flügel gekauft, aber der ist momentan defekt. Flügel sind empfindlich und sogar wetterfühlig: "Holz, Leder und Filz sind arbeitende Materialien", so Vornehm, "kleinste Störungen können viel ausmachen. Und es ist keineswegs so, dass sich die Pianisten eventuelle Mängel nur einbilden, wie manche Veranstalter behaupten. Die Schwierigkeit liegt in der Kommunikation, in der Übersetzung - man muss versuchen, herauszufinden, was der Pianist meint, was er geändert oder verbessert haben will. Das sind vielleicht oft Kleinigkeiten, aber mit enormen Auswirkungen. Im Grunde ist meine Arbeit der des Künstlers ähnlich: Um die größtmögliche Bandbreite an Farben zur Verfügung zu stellen, versuche ich genauso, an die Grenze des Machbaren zu gehen. Da darf man nicht nur auf der sicheren Seite bleiben."
Ein Leben für Applaus
Wolfgang Vornehm wurde einmal gebeten, in der Philharmonie für einen Kollegen einzuspringen und in letzter Sekunde den Flügel zu stimmen. Als er Punkt 20 Uhr damit fertig war, schaute er hoch und sah, dass das Publikum schon im Saal war. Natürlich bekam er heftigen Beifall fürs Stimmen. Wolfgang Vornehm sagt: "Ich habe, auf dem Rückweg zum Podiumsausgang, mein Köfferchen abgestellt und mich verbeugt. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, warum ein Klavierspieler bereit sein kann, für dieses kurze Gefühl im Applaus sein halbes Leben wegzuwerfen."
JOHANNES RUBNER

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